Messe IT-TRANS 2026 in Karlsruhe
Von Zeit zu Zeit besuche ich ausgesuchte Messen und Veranstaltungen, die das Thema dieser Website betreffen oder betreffen könnten. Es handelt sich in diesem Fall um eine Internationale Fachmesse mit Kongress. Am 03. März 2026 waren meine Frau und Begleitperson Claudia und ich in Karlsruhe und haben diverse Stände auf der Messe IT-Trans 2026 aufgesucht, Informationen eingeholt und Gespräche geführt.

In der Vergangenheit hatte ich schon über die bedeutend größere Messe InnoTrans in Berlin und auch den Deutschen Nahverkehrstag in Koblenz in Fachzeitschriften berichtet; siehe dazu auf der Seite zu den Publikationen. Diesmal ist das nicht der Fall. Auch in diesen Zeilen gehe ich auf die technischen Eigenschaften der gezeigten Lösungen nicht vertieft ein.


Zwar dreht sich auf dieser Messe alles um den Öffentlichen (Personen)-Verkehr, doch der Schwerpunkt ist dabei die Informationstechnik. Schon deshalb bietet es sich an, dort ein Fahrzeug als Beispiel zu zeigen, wie es künftig fahrerlos und autonom fahren können soll. Autonom unterwegs sein können, ist auch den Menschen mit eingeschränkter Mobilität wichtig. Allerdings wird der Begriff autonom ganz unterschiedlich verwendet: selbst als Rollstuhlnutzer oder Blinder autonom ein autonom fahrendes Fahrzeug nutzen zu können, ist noch lange nicht in trockenen Tüchern. Losgelöst vom autonomen Shuttle: Keines der in den Messehallen gezeigten Fahrzeuge mit Ausstellungsobjekten war im Rollstuhl zugänglich. Die Rampen waren ohne Antriebsenergie, viel zu steil oder nicht vorgesehen. Auch mehrere Messestände waren wegen einer Kante zu den Gängen und fehlenden Rampen nicht zugänglich. Als Teil einer Standbesatzung gab es diesmal sogar einen Menschen im Rollstuhl. Wir haben (angeblich) zu viele Regelungen im Land und ohne die Regeln wird die Barrierefreiheit wie schon bisher kaum voran kommen. Schon deshalb setzt der aktuelle Gesetz-Entwurf der Bundesregierung zur Änderung des Behindertengleichstellungsgesetzes auf Freiwilligkeit. Das so zu machen ist nur dann zielführend, wenn man Barrierefreiheit nicht herstellen will.
Gespräche an diversen Ständen kamen mehrfach nebenher auch auf die Sichtweisen zu diesem Thema. Nur in einem Fall betonte die Standbesatzung, letztlich sei vieles nicht verpflichtend, ganz wie aktuell von der Bundesregierung beabsichtigt. Es gab aber auch die Aussage, der Druck von aktiven Organisationen der Menschen mit Behinderungen auf den Abnehmer der Produkte hätte zur Produkt-Entwicklung hinsichtlich mehr Barrierefreiheit beigetragen und ein diesbezüglich besseres Produkt im Angebot haben sei dann im internationalen Markt von Vorteil. Oder auch: eingesparte Barrierefreiheit führt dazu, daß Produkte nur noch für solche weniger fordernden Märkte marktfähig sind. Als Treiber für Verbesserungen taugt der aktuelle Gesetz-Entwurf für Regelungen um die Barrierefreiheit nicht.

Übrigens: während man auf der Messe hinsichtlich der Fahrgastinformation auf Stand gebracht werden konnte und es qualitativ recht gute Displays zu bewundern gab und an mehreren Stellen auch die Sprachausgabe präsentiert wurde, sah das auf der Heimfahrt wie folgt aus: Den Shuttle-Bus zum Hauptbahnhof hatten wir um vielleicht drei Sekunden verpasst. Die zwei Zeilen der LED-Anzeige am Bahnsteig zeigten nur zwei Abfahrten zu anderen Zielen und das mit erheblicher Wartezeit, der Aushangfahrplan war von der Höhe her aus dem Rollstuhl nicht lesbar angebracht und an seinem Aufstellungsort war es dunkel. Also war ein Fußweg angesagt und eine Fahrt mit einem Umstieg per Straßenbahn. Die Displays am Bahnsteig beim Umstieg waren zwar in Betrieb (eingeschaltet), zweigten aber keine Informationen zu den Fahrten, wohl mangels Datenverbindung.

Im Straßenbahn-Triebwagen 359 auf dem Weg zur Poststraße war das Display der Fahrgastinformation in der Deckengondel beim Rollstuhlplatz in einer Endlosschleife beim Booten. Über die Haltestellen verriet es nichts, nur über seinen Intel Atom Z530 Prozessor und den DDR2-RAM. Vielleicht nützlich für Technik-Interessierte, sicherlich schlecht für Fahrgäste. Der ungünstige Blickwinkel auf das Display ist eben der Blickwinkel vom Rollstuhlplatz. Nach meiner Beobachtung wird bei Bussen und Straßenbahnen nicht so sehr darauf geachtet, daß auch vom Rollstuhlplatz aus die Informationen auf dem Display ablesbar sind. Gründe, wieso in Deutschland die Barrierefreiheit nicht flott voran kommt, sind das Fehlen von detaillierten Vorgaben kombiniert mit fehlendem Dialog und letztlichem auch dem fehlenden Willen, die Situation zu verbessern. Wieso zur Poststraße und nicht eine weiter zum Hauptbahnhof? Den verbleibenden Fußweg zum Hauptbahnhof legen Rollstuhlfahrer in Karlsruhe traditionell im Rollstuhl zurück, da die Straßenbahnhaltestelle vor dem Hauptbahnhof noch immer nicht barrierefrei ist und Faltrampen als angemessene Vorkehrungen dort nicht eingesetzt werden. Karlsruhe in Baden-Württemberg auch im Jahr 2026.
Nächste größere Veranstaltung der Verkehrs-Branche in Karlsruhe ist die VDV-Jahrestagung vom 09. bis 11. Juni 2026.
(bk, zuletzt geändert 2026-03-05)