16. Deutscher Nahverkehrstag
Inzwischen ist er um, der 16. Deutsche Nahverkehrstag in Koblenz mit einer Reihe hörenswerter Vorträge und vielen Gesprächen am Rande. Er hat vom 23. bis 25. Juni 2026 in der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz statt gefunden. Es waren laut Veranstalter rund 900 Gäste, über 150 Vorträge und etwa 40 Aussteller. Die Tasche mit den mitgebrachten Unterlagen ist geleert und die eingegangenen Mails sind beantwortet. Die Organisation war aus meiner Sicht in Ordnung und auch das Personal beim Catering hat seine Aufgaben gut gemacht.

In den für Vorträge genutzten Räumen war es angesichts der Hitzewelle gegen Ende der Tage aber doch arg stickig. Wer dabei war - oder den einen oder anderen oder alle Vorträge verpaßt hat, kann einen Teil der Informationen nachträglich finden: auf der Website der Veranstaltung sind eine Reihe von Präsentationen als Datei zum Download verfügbar (dazu im Kongressprogramm auf den Eintrag „Präsentation verfügbar“ achten).

Mit dem Suchbegriff „barrierefrei“ gab es nur einen einzigen Vortrag bei dieser Veranstaltung. Das war „Barrierefreie Bushaltestellen: Anspruch, Planungsrealität und ihre Folgen - Mehr Qualität und effizienter Ressourceneinsatz - Ansätze und Diskussion“ von Dr.-Ing. Dirk Boenke. Bei einem solchen Querschnitts-Thema wie Barrierefreiheit taucht die Thematik jedoch auch in einigen weiteren Unterlagen auf. Mal ohne weitere Ausführung in der Formulierung „Lebendige Stadt - Aufenthaltsqualität und Diversität (Attraktiv für unterschiedliche Nutzer*innen-Gruppen), Barrierefreiheit und Sicherheit“, mal bezogen auf die Ausgaben des Bundes in 2026 „241 Mio. Euro - Unentgeltliche Beförderung schwerbehinderter Menschen im ÖPNV“ (beim Vortrag zum VDV-Leistungskostengutachten) und relativ oft als „Ausbau der Barrierefreiheit“ (aber kaum mit genaueren Ausführungen dazu). Positiv sind Ansätze für die Vereinheitlichung von Lösungen für Fahrzeuge des Schienenpersonennahverkehrs, wie sie in „die Vorgaben zum barrierefreien WC vereinheitlichen“ zu sehen sind (Vortrag für den Bundesverband SchienenNahverkehr). Die zuvor veröffentlichte Angabe, mit welchem Behindertenverband man da zusammen arbeitet, waren allerdings nicht hilfreich. Der genannte Behindertenverband war es nämlich nicht. Partizipation steckt eben noch in den Kinderschuhen und sollte ausgebaut werden.
Im Vortrag von Karl-Peter Naumann (Pro-Bahn) gab es reichlich Beispiele, wo es an Barrierefreiheit bei der Fahrgastinformation noch Schwächen gibt. Von einer Stelle aus der DB kam das hier: „Die Datenlage im Hinblick auf BRFK Objekte der Bahnhöfe war oft unvollständig, uneinheitlich oder veraltet. Dies erschwerte es, die barrierefreie Infrastruktur zu bewerten, Lücken zu identifizieren...“ Stimmt schon, die Qualität der Daten zur Barrierefreiheit ist für die auf Barrierefreiheit angewiesenen Personen ein dickes Problem --- und nicht nur für die verschiedenen Ecken des Konzerns, von dessen Infrastruktur die genannten Daten handeln. Das in der Folie genannte Resultat „Vollständige digitale Erfassung der BFRK-Objekte an Bahnhöfen in Baden-Württemberg zur Verbesserung der Datenqualität für eine barrierefreie Reisekette“ löst das Problem allenfalls in einem Bundesland. Nötig wäre das überall, wo die Daten noch unzulänglich sind. Also letztlich überall.
Was kaum jemand erwartet haben dürfte, war die Darstellung einer Plushaltestelle im Vortrag „ÖVer.KAnT - Kreisübergreifende Angebotsoffensive zum Ausbau und zur Schaffung eines metropolitanen Stadt-Land-Taktes“. Da gibt es eine Toilette für alle an einer zentralen Umsteige-Haltestelle. Was es mit dieser speziellen Form einer Behindertentoieltte aus sich hat, kann man hier nachlesen.
Außerdem möchte ich an dieser Stelle den Vortrag „Nahverkehr mit Distanz: Wie viel Nähe verträgt der Bahnsteig?“ erwähnen, weil er mir besonders gefallen hat und die Erkenntnisse mir nützlich sein werden.
(bk, zuletzt geändert 2026-10-01)